|
Fliegende Zelte und Pavillons zum
runden Geburtstag
VfL feiert 60-jähriges
Vereinsjubiläum
Die
Windhose fegte nur wenige Sekunden über den
VfL-Sportplatz – und richtete doch erheblichen
Schaden an. Am vergangenen Mittwoch, gerade als die
vielen Helfer alle Zelte und Pavillons aufgebaut
hatten, machte ein heftiger Sturm ihre Arbeit
zunichte. «Der Wind hat quer über den Platz alles
mitgerissen, die Zelte hingen teilweise an den
Flutlichtmasten. Da kriegt man erst mal einen
Schock», erzählt Roland Kuhlmann, der
Fußball-Jugendleiter. Durch den Sturmschaden waren
die Jugendturniere, die die Feierlichkeiten zum
60-jährigen Vereinsjubiläum des VfL Nürnberg
einläuten sollten, zeitweise gefährdet.
Aber die fleißigen VfL-Helfer packten noch mal an.
«Wir haben alles, was zu retten war, geflickt und
wieder hochgezogen. Ein bisschen Improvisation
gehört dazu», sagt Kuhlmann. Zudem hat ein Baumarkt
vier Ersatz-Zelte zur Verfügung gestellt. Am
Freitagnachmittag war alles wieder aufgebaut, und
diesmal war selbst das Wetter auf der Seite des VfL:
«Gestern hat es pünktlich zu Turnierbeginn zu regnen
aufgehört, seitdem ist kein Tropfen mehr gefallen»,
freute sich Kuhlmann am Samstag.
Insgesamt waren von Freitag bis Sonntag rund 70
Jugendmannschaften auf den Sportplätzen an der
Salzbrunner Straße und spielten Turniere in fast
allen Altersklassen aus: Jungen und Mädchen, Klein-
und Großfeld, von der G- bis zur B-Jugend. Der
Junioren-Sommercup war allerdings nur der Auftakt zu
den Festwochen, mit denen der VfL sein Jubiläum
begeht.
Am kommenden Wochenende steht ein
Herren-Fußballturnier auf dem Programm, am
Samstagabend spielt eine Live-Band. Am 25. Juli sind
schließlich ein Beachvolleyballturnier und eine
«Karibische Nacht» mit Tanz und Feuerwerk geplant.
Dabei wollen sich fast alle Abteilungen mit
Vorführungen auf dem Vereinsgelände einbringen.
Fast einen Monat lang wird das gefeiert, was vor 60
Jahren ganz klein begonnen hat. Am 16. Juli 1949
gründeten 21 Männer und zehn Jugendliche den
Vorgängerverein FC Langwasser, die meisten von ihnen
waren schlesische Flüchtlinge und Vertriebene.
Alles, was in den folgenden Jahren im und um den
Verein geschehen ist, hat Heinz Ziwitza haarklein
festgehalten. Ziwitza, ein VfL-Urgestein, hat
Zeitungsausschnitte aus den Anfangsjahren gesammelt
und diese zu einer Vereinschronik zusammengefügt.
«Am Anfang hat der Fußball den Verein beherrscht»,
erinnert sich der 73-Jährige, das habe sich aber
nach und nach geändert. Die Fusion des FC Langwasser
mit dem VfB Langwasser 1962 war ein Meilenstein in
der Klubgeschichte, obwohl sie damals auf starken
Widerstand stieß: «Es hat eine Rivalität gegeben,
die Sportplätze der beiden Vereine lagen nur zwei
Kilometer auseinander. Die Alten, Eingeschworenen
hat man nicht überzeugen können, viele Mitglieder
sind ausgetreten», plaudert Ziwitza aus dem
Nähkästchen.
Aber der Zusammenschluss unter dem neuen Namen VfL
Nürnberg ebnete den Weg für einen rasanten
Aufschwung. Heute hat der VfL rund 2500 Mitglieder
und ist damit einer der größten Vereine in Nürnberg.
Um die Fußballer herum haben sich zwölf weitere
Abteilungen gruppiert: zum Beispiel eine
Koronar-Gruppe und eine Abteilung für Ski, Wandern
und Fitness; aber auch Unterwasser-Rugby und
Budo-Taijutsu, eine japanische Kampfkunst.
Aushängeschild des Vereins sind die erfolgreichen
Volleyball-Frauen in der Zweiten Bundesliga.
All diese Entwicklungen will Ziwitza in seiner
VfL-Chronik beschreiben. Seit er in Ruhestand ist,
hat er die Zeit von 1949 bis 1970 akribisch
aufgearbeitet. Zeitungsartikel gesucht,
ausgeschnitten und sortiert. Sein Werk, so schätzt
er, umfasst inzwischen über 2000 Seiten. «Das ist
eine Mordsarbeit, aber eine schöne und interessante.
Ich bin sehr heimatverbunden und der VfL hat mir
schon immer viel bedeutet», sagt er.
Kreisliga-Aufstieg auf dem Wunschzettel
Zum 60. Geburtstag hat er zwei Wünsche für seinen
Verein: «Ich hoffe, dass die Fußballer mal wieder in
die Kreisliga aufsteigen. Und ich wünsche mir, dass
der VfL auch in 50 oder 100 Jahren noch besteht.»
Von der ehrenamtlichen Arbeit im Klub hat sich
Ziwitza nach 36 Jahren als Fußball-Abteilungsleiter
und Vorstandsmitglied mittlerweile zurückgezogen.
Aber seine Nachfolger haben in der vergangenen Woche
ja bewiesen, dass sich der VfL auch in stürmischen
Zeiten behaupten und Rückschläge wegstecken kann.
Ziwitzas Wünsche könnten also in Erfüllung gehen.
David Bernreuther
|