NÜRNBERG - Der VfL Nürnberg hat seit dem Wochenende
etwas mit Bayern München und dem Vatikan gemeinsam:
Alle besitzen die neueste Kunstrasen-Generation, die
selbst die Fifa für internationale Wettbewerbe
zulässt. Der des VfL wurde der neue Rasen in der
Salzbrunner Straße offiziell eingeweiht.
Selbst die größten Club-Fans des VfL zog es am
Freitagabend nicht ins Stadion zum Heimspiel des 1.
FCN gegen den FSV Frankfurt, denn zur Eröffnung
ihres neu renovierten Fußballplatzes, der nun zu
einem der weltweit
modernsten zählt, wollten alle dabei sein.
Etwa
370.000 Euro kostete der neue Rasen. Das sei sehr
kostengünstig, betonte der Vorsitzende Hans-Jürgen
Dauth. Der Untergrund sei noch so gut in Schuss
gewesen, dass man lediglich den Kunststoffrasenbelag
austauschen musste.
Dass der alte Kunstrasen auf dem Trainingsgelände
längst seine besten Zeiten hinter sich hatte,
bestätigten vor allem die Trainer. «Auf den alten
Platz hat man guten Gewissens keinen mehr drauf
gelassen. Das Verletzungsrisiko war einfach zu
hoch», sagte Markus Philipp, Trainer der E-Jugend
des VfL, bei der Eröffnung.
Ältere Generationen der Kunstrasen krankten oft
daran, dass sich stürzende Spieler schlimme
Brandverletzungen oder Schürfwunden zuzogen. Der zur
Füllung genutzte Sand machte den Untergrund
rutschiger, die mit der Zeit ausgefransten
Kunststoffhalme wurden gefährlicher als ein
gegnerisches Foul.
Der nun in der Salzbrunner Straße verlegte
Kunstrasen gehört mittlerweile der vierten
Generation an. Zwar wird Sand immer noch als
Füllmittel benutzt, jedoch dient der nur noch der
Rasenbeschwerung. Hauptfüllmittel ist heute ein
Gummigranulat, um den Boden für die Spieler
elastischer zu machen.
Für den Jugendleiter des VfL, Roland Kuhlmann,
liegen die Vorteile des neuen High-Tech-Rasens klar
auf der Hand: «Der Ball läuft viel ruhiger, weil es
viel ebener ist. Auch die Pässe kommen direkter. Und
das Beste für alle Mamas ist, dass die Kinder sauber
vom Training zurückkommen.»
Auch wirtschaftliche Gründe sprechen für den
Kunstrasen. Allein beim VfL trainieren 15
Jugendmannschaften, drei Mädchenteams und vier
Vollmannschaften, berichtete Kuhlmann. «Ein
Naturrasenplatz würde sich bei der Nutzungsdauer im
Winter in ein Schlammloch verwandeln.» Der
Kunstrasenplatz dagegen ist gegen Matschwetter
immun. Die Pflege nimmt viel weniger Zeit in
Anspruch als bei einem Naturrasen. Dies bestätigt
auch Michael Schröder, Gebietsleiter der Firma
Polytan, die den Kunstrasen beim VfL verlegt hat:
«Der Platz muss nur einmal in der Woche
gebürstet werden. Einmal im Jahr steht dann noch
eine Grund- und Tiefenreinigung an.»
Jedoch sind auch die Spieler dafür verantwortlich,
dass der neue Fußballplatz einige Jahrzehnte
bespielbar bleibt. Alustollen und Straßenschuhe sind
tabu. Zudem müssen die Fußballschuhe frei von Dreck
und Schlamm sein. Nach den ersten
Freundschaftsspielen auf dem Platz am Freitagabend
waren sich alle einig: «Man rutscht nicht mehr so
leicht weg wie beim Naturrasen», sagte der
neunjährige Tobias Philipp. «Und man kann hier viel
besser drauf schießen», bestätigten Karina Ackmann
(9) sowie Bahar (9) und Denya Ayden (12). Tobias
hatte nur einen Grund, der gegen den Kunstrasen
spricht: «Das ist doch das Coolste, wenn man beim
Fußballspielen schmutzig wird.»