Regeländerung Hallenfußball

Neuerung zu Grätschen und Abstoß mit der Hand

Zur neuen Hallenfußball-Saison hat die Hallenfußball- und Futsal-Kommission des Bayerischen Fußball-Verbandes Anpassungen und Neuerungen bei den Richtlinien für Hallenfußball vorgenommen. Im Interview erläutert ihr Vorsitzender Jürgen Faltenbacher die wichtigsten Anpassungen und deren Hintergründe.

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Herr Faltenbacher, die wesentlichste Neuerung ist wohl, dass die Schiedsrichter ab sofort das Grätschen abpfeifen.

Jürgen Faltenbacher: Ja das stimmt! Die Erfahrung hat einfach gezeigt, dass das Grätschen in der Halle viel zu gefährlich, das Verletzungsrisiko zu hoch ist. Jeder, der einmal in der Halle Fußball gespielt hat, weiß das. Schon alleine die Rahmenbedingungen durch einen in aller Regel stumpferen Boden und andere Schuhsohlen sorgen für ganz andere Verhältnisse, als auf einem Rasenplatz. Jetzt gibt es die klare Regelung für die Schiedsrichter, das Grätschen in einem Zweikampf im Sinne der bestehenden DFB-Regel 12 ,Fahrlässigkeit‘ sofort abzupfeifen.

Verletzungsrisiko ist das eine, aber geht dem Hallenfußball ohne rassige Zweikämpfe nicht eine spektakuläre Komponente verloren?

Jürgen Faltenbacher: Nein, denn es geht nicht darum, dass rassige Zweikämpfe und spektakuläre Szenen verboten sind! Ich verknüpfe eine Grätsche allerdings auch weniger mit dem Wort spektakulär sondern in erster Linie mit gefährlich – unabhängig davon, dass viele Grätschen in der Vergangenheit sicherlich folgenlos geblieben sind. Bei allem Ehrgeiz, der auch in der Halle an den Tag gelegt wird, geht es vor allem um die Freude am Fußballspielen und die Gesundheit der Aktiven und die ist spätestens dann vorbei, wenn sich jemand durch unnötige Härte verletzt. Grätschen gehören nicht zu unserem Verständnis von Hallenfußball. Das ist auch die Rückmeldung, die wir in den letzten Jahren immer wieder von Vereinen, Trainern und Spielern bekommen haben. Das war auch der Grund, warum wir nun auch hier angesetzt haben. Ab sofort herrscht Klarheit in dem Punkt. Das ist für alle Beteiligten wichtig. International stellt sich diese Frage übrigens schon seit Jahren nicht mehr. Es hat einfach keinen Sinn gemacht, diese exklusive Position beizubehalten. Wir versprechen uns damit auch, dass Spieler die bewusst und genau wegen dieses Aspektes nicht in der Halle angetreten sind, sich nun auch wieder dazu entschließen, dort die Stiefel zu schnüren.

Was hat sich noch geändert?

Jürgen Faltenbacher: Ein zweiter wesentlicher Punkt ist, dass der Torwart ab sofort den Torabstoß auch mit der Hand machen kann. Dadurch hat er die Möglichkeit, das Spiel schneller zu machen. Wichtig ist, dass – wie schon beim Abstoß mit dem Fuß – ein anderer Spieler den Ball vor der Mittellinie berühren muss. Diese Regelung wird so bereits bei den DFB-Hallenturnieren und beim Futsal praktiziert. Zudem war uns wichtig, noch einmal explizit festzuschreiben, dass man neben den Hallenfußbällen mit Filzbelag, weichem Leder oder den Bällen, mit denen auf Rasen gespielt wird, auch mit einem Futsalball spielen kann. Das muss lediglich in der jeweiligen Turnierausschreibung festgelegt werden. Größe und Gewicht richten sich natürlich wie bisher auch nach den Altersklassen im Jugendbereich.

Zu den Hallenrichtlinien

Grätschen und was darunter zu verstehen ist:

Versucht ein Spieler, durch Hineingleiten (Hineingrätschen, Sliding, Tackling) von der Seite oder von hinten den Ball zu spielen, wenn ein Gegner den Ball spielt oder versucht zu spielen, wird der gegnerischen Mannschaft ein indirekter Freistoß zugesprochen (Aktion innerhalb des Strafraums/Torraums: Siebenmeter).

Die disziplinarische Würdigung des Vergehens (Ermahnung, Verwarnung, Zeitstrafe, Feldverweis auf Dauer) ist abhängig von der Schwere des Vergehens.

Diese Regelung gilt nicht für den Torwart in seinem eigenen Strafraum/Torraum, sofern er nicht fahrlässig, rücksichtslos oder mit unverhältnismäßigem Körpereinsatz spielt. Das bedeutet, dass der Torwart in seinem Strafraum weiterhin gegen den ballführenden Gegenspieler hineingrätschen darf, um den Ball zu spielen. Bei diesem Hineingleiten hat der Schiedsrichter besonderes Augenmerk auf die Torwartaktion im Strafraum zu legen.

Dazu einige erklärende Beispiele:

Spielt der Torwart eindeutig den Ball und der Ballführende fällt über das Bein des Torwarts, wird das Spiel nicht unterbrochen.
Trifft der Torwart zuerst den Ballführenden und dann den Ball, wird das Spiel unterbrochen und ein Strafstoß (Siebenmeter) verhängt.

  • Wird die Torwartaktion als fahrlässig beurteilt, wird keine Disziplinarstrafe verhängt.
  • Wird die Torwartaktion als rücksichtslos beurteilt, erhält der Torwart die gelbe Karte.
  • Wird die Torwartaktion mit unverhältnismäßigem Körpereinsatz ausgeführt, erhält der Torwart die rote Karte.

Außerhalb seines Strafraums/Torraums ist das Hineingleiten (Hineingrätschen, Sliding, Tackling) gegen einen ballführenden Gegenspieler auch für den Torwart verboten und muss mit einem indirekten Freistoß bestraft werden.

Autor: Red-Team

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